Seit dem Start der Auslieferungen in Europa Ende 2022 sammelt der BMW iX1 bereits reichlich Praxiserfahrung auf der Straße. Während sich das elektrische Hochvolt-Antriebssystem im Kern als grundsolide erweist, berichten Besitzer und Behörden von einigen nennenswerten Softwareproblemen, Bauteil-Updates und sicherheitsrelevanten Rückrufaktionen, die Kaufinteressenten im Blick behalten sollten.
Auffälligkeiten bei Software, Infotainment und Elektrik
Die häufigsten Beschwerden von Fahrern betreffen die Bordelektronik und die Ladekommunikation. Bei Fahrzeugen ab Baujahr November 2023 mit der Hardware für das Android-basierte Operating System 9 bemängeln Besitzer spürbare Verzögerungen am Touchscreen, gelegentliches Einfrieren der Menüs sowie wiederholte Verbindungsabbrüche bei der Smartphone-Kopplung über Bluetooth. Zwar konnten sukzessive Over-the-Air-Updates die Startverzögerungen mindern und die Reaktionszeiten verbessern, sporadische Systemneustarts und Verbindungsabbrüche treten vereinzelt jedoch weiterhin auf.
Besitzer früher Exemplare aus den Jahren 2022 und 2023 klagten zudem über vorzeitige Ladeabbrüche beim Wechselstromladen (AC) zu Hause. Gelegentlich brachen die Fahrzeuge den Ladevorgang an der Wallbox unerwartet ab oder die anfängliche Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation schlug fehl. Software-Updates für das Steuergerät des Bordladers beim Vertragshändler schafften in den meisten Fällen Abhilfe; in hartnäckigen Fällen musste die Ladeeinheit in der Werkstatt jedoch komplett ausgetauscht werden. Vereinzelt entlud sich zudem die 12-Volt-Bordnetzbatterie bei ein- bis zweiwöchiger Standzeit, da bestimmte Steuergeräte nicht ordnungsgemäß in den Ruhemodus wechselten. Durch Software-Aktualisierungen und Neukalibrierungen des Batteriesensors konnten diese Ruhestromprobleme weitgehend behoben werden.
Mechanischer Verschleiß
Der mechanische Verschleiß des elektrischen BMW iX1 spiegelt die typischen Belastungen schwerer Elektro-Crossover wider. Da die Rekuperation den Großteil der alltäglichen Verzögerung übernimmt, neigen die mechanischen Reibbremsen bei zu seltener Beanspruchung zu Oberflächenkorrosion, Riefenbildung und Rostansatz. Zudem kann das hohe Leergewicht im Zusammenspiel mit dem unmittelbar anliegenden Drehmoment zu einem erhöhten Verschleiß der Reifenschultern führen. Bei Gebrauchtwagen empfiehlt sich daher eine sorgfältige Kontrolle der Achsgeometrie an beiden Achsen.
Offizielle Sicherheitsrückrufe
Für diese Modellgeneration wurden auf den europäischen und weltweiten Märkten mehrere offizielle Rückrufaktionen registriert:
- Integriertes Bremssystem (April 2024, erweitert September 2024): Betrifft weltweit 1.493.890 Fahrzeuge mehrerer Baureihen aus dem Produktionszeitraum Juni 2022 bis Ende 2024. Ein Signalfehler kann zum Ausfall der hydraulischen Bremskraftunterstützung führen, wodurch ABS und Stabilitätskontrolle nicht mehr zur Verfügung stehen und sich der Bremsweg verlängert. Die Werkstätten installieren eine Diagnosesoftware zur Erkennung von Signalstörungen; liegt ein Fehler vor, wird die hydraulische Bremseinheit ausgetauscht.
- Schweißnaht am Stellmotor des integrierten Bremssystems (Dezember 2024, wiederholt Juli 2026): Betrifft weltweit 2.252 Fahrzeuge, die zwischen dem 6. Juli 2022 und dem 13. November 2024 gebaut wurden. Eine fehlerhaft geschweißte Hohlwelle des Stellmotors kann bei starkem Bremsdruck brechen. Dies führt zu verminderter Bremsleistung, längeren Bremswegen sowie dem Ausfall von ABS und Stabilitätskontrolle. In der Werkstatt wird das hydraulische Bremssteuergerät ersetzt.
- Abtriebswelle der Vorderachse (August 2023): Betrifft weltweit 5.855 Elektrofahrzeuge aus dem Bauzeitraum November 2022 bis Juli 2023. Durch einen Fertigungsfehler des Zulieferers kann sich eine Abtriebswelle von der elektrischen Antriebseinheit lösen, was in seltenen Fällen zu einem plötzlichen Vortriebsverlust führt. Die Werkstätten tauschen die vorderen Antriebswellen aus.
- B-Säulen-Verstärkung (Juni 2025): Betrifft weltweit 25.059 Fahrzeuge, die vom 17. September 2024 bis zum 22. Oktober 2024 gefertigt wurden. Zu hartes oder sprödes Material kann das Crashverhalten beeinträchtigen und das Verletzungsrisiko erhöhen. Vertragshändler prüfen die Verstärkung und tauschen bei betroffenen Chargen Strukturteile aus.
- Sicherheitsgurt-Aufroller (Oktober und Dezember 2025): Umfasst weltweit rund 15.000 Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum Juni bis Oktober 2025. Mangelhaft gefertigte Gurtaufroller vorn und in der zweiten Sitzreihe können die Rückhaltewirkung bei einem Aufprall beeinträchtigen. Die Händler prüfen und ersetzen die betroffenen Gurtaufrollereinheiten.
- Schiebedach-Ablaufschlauch (Dezember 2022): Betrifft weltweit 2.958 Fahrzeuge aus der Produktion zwischen dem 28. Juni 2022 und dem 15. September 2022. Über einen beschädigten Ablaufschlauch eindringendes Wasser kann in das Steuergerät gelangen, elektrische Funktionen beeinträchtigen und die Brandgefahr erhöhen. Händler kontrollieren und erneuern die Schlauchführung.
Ganz gleich, ob die Wahl auf ein Modell mit Frontantrieb oder einen allradgetriebenen BMW iX1 fällt: Die lückenlose Dokumentation aller Nachbesserungen und Rückrufe ist beim Kauf unerlässlich.