Die zweite Generation des Volvo V60 genießt auf den europäischen Märkten einen soliden Ruf für ihre robuste Mechanik. Dennoch zeigen Erfahrungsberichte von Besitzern und fachmännische Prüfungen je nach Antrieb und Baujahr typische Schwachstellen. Während die konventionellen Benzin- und Dieselmotoren mechanisch weitgehend unauffällig und standfest bleiben, gehen die meisten dokumentierten Beschwerden auf das Konto der elektrifizierten Varianten sowie der Bordsoftware nach dem Facelift.
Typische modellspezifische Mängel
Bei frühen Plug-in-Hybrid-Modellen aus den Baujahren 2018 bis 2021 berichten Besitzer häufig von einem mechanischen Heulen der elektrischen Hinterachseinheit (Electric Rear Axle Drive, ERAD). Das Geräusch tritt typischerweise zwischen 50 und 80 km/h im rein elektrischen Schiebebetrieb oder beim Beschleunigen auf. Ursache sind vorzeitiger Lagerverschleiß und Abnutzung der internen Trennkupplung. In schweren Fällen zersetzen sich innere Kühlmitteldichtungen, sodass Flüssigkeit in elektrische Komponenten gelangt. Zur Abhilfe muss die ERAD-Einheit ausgetauscht oder gegen modifizierte Baugruppen ersetzt werden. Modelle, die ab Ende 2021 überarbeitet wurden, erhielten eine modifizierte Motorkonstruktion mit deutlich reduzierter Ausfallquote.
Wassereinbruch im Innenraum ist ein weiteres bekanntes Problem bei Fahrzeugen mit Panoramaglasdach. Laub und Schmutzpartikel können die vorderen Ablaufschläuche in den A-Säulen verstopfen, oder die unteren Ablaufrohre lösen sich im Bereich der Stirnwand. Infolgedessen sammelt sich Wasser in den vorderen Fußräumen unter dem Teppich. Bleibt dies unbemerkt, drohen Feuchtigkeitsschäden an den im Boden verlegten Kabelbäumen sowie am zentralen Elektronikmodul. Das Reinigen der Ablaufkanäle und das Sichern der Schlauchverbindungen mit modifizierten Klemmen schafft in der Regel dauerhaft Abhilfe.
Bei den Facelift-Modellen ab dem Modelljahr 2023 klagen Besitzer über wiederkehrende Konnektivitätsprobleme im Zusammenhang mit dem Google-basierten Infotainmentsystem und dem Telematikmodul in der Haifischflossenantenne. Typische Symptome sind plötzliche Mobilfunkausfälle, offline geschaltete Navigationskarten, blinkende Notruf-Kontrollleuchten und streikende Funktionen der Smartphone-App. Regelmäßige Over-the-Air-Firmware-Updates konnten die meisten dieser Softwarehänger beheben, tiefentladene Pufferbatterien der Telematikeinheit müssen jedoch gelegentlich in der Werkstatt getauscht werden. Bei den 2020 eingeführten 48-Volt-Mildhybriden berichten Fahrer zudem über eine schleichende Entladung der 12-Volt-Stützbatterie nach längeren Standzeiten. Dies führt zu Warnmeldungen im Kombiinstrument und zur temporären Deaktivierung von Komfortfunktionen, bis Software-Updates das Ruhemodus-Management der Steuergeräte optimieren.
Offizielle Rückrufaktionen
In den offiziellen europäischen Sicherheitsregistern sind für die zweite Generation des Volvo V60 Kombi mehrere Rückrufaktionen verzeichnet. Bis Oktober 2026 wurden für diese Modellgeneration im laufenden Jahr 2026 zwar keine neuen Aktionen eingeleitet, frühere Maßnahmen sollten bei Gebrauchtwagen jedoch unbedingt überprüft werden.
Vor dem Gebrauchtwagenkauf sollten Interessenten unbedingt prüfen lassen, ob alle offenen Rückrufe von einem Volvo-Vertragspartner durchgeführt wurden, oder die lückenlose Wartungshistorie des Fahrzeugs über CarAudit absichern.