Die offiziellen Angaben zum Kraftstoffverbrauch weichen oft erheblich von der Realität ab, da sie in der Praxis nicht nur vom individuellen Fahrstil, sondern auch vom Verkehrsfluss oder der Beladung des Fahrzeugs maßgeblich beeinflusst werden. Um den tatsächlichen Durst beider Fahrzeuge so genau wie möglich zu ermitteln, stützen wir uns daher auf Daten unabhängiger Crowdsourcing-Portale wie das deutsche Spritmonitor.de, wo Besitzer selbst ihre regelmäßigen Tankbelege eintragen. Wir haben uns dabei primär auf etwa vier Jahre alte Modelle konzentriert – konkret auf den Kia Rio der vierten Generation (Code YB, Facelift) und den Seat Ibiza der fünften Generation (Code KJ), die für heutige Interessenten an einem erschwinglichen Gebrauchtwagen am relevantesten sind.
Bei der Analyse dieser Daten sind gleich mehrere Trends deutlich erkennbar, die manchen Autofahrer überraschen könnten. Traditionelle Saugmotoren (1.2 bei Kia und 1.0 MPI bei Seat) bringen in der Praxis nämlich keine nennenswerte Kraftstoffersparnis im Vergleich zu den leistungsstärkeren Turbomotoren. Das liegt daran, dass der Fahrer die schwächeren Aggregate ohne Turbo beim Beschleunigen, an Autobahnsteigungen oder beim Überholen höher drehen muss. Turbo-Dreizylinder mit einem Liter Hubraum erweisen sich hingegen in puncto Effizienz als die idealste Wahl überhaupt. Besonders beim Seat Ibiza funktioniert das 1.0 TSI-Aggregat aus dem Volkswagen-Konzern absolut exzellent. Kia versucht bei seinen modernisierten Fahrzeugen wiederum mit einem 48V-Mild-Hybrid-System bei der stärkeren Version des 1.0 T-GDI-Motors gegenzusteuern, das den Durchschnitt im Stadtverkehr auf sympathische 5,4 Liter drücken kann. Der Diesel-Ibiza mit dem sparsamen 1.6 TDI ist zwar der klare Champion auf dem Papier für Langstreckenfahrer, wird jedoch bei vierjährigen und neueren Fahrzeugen in dieser Fahrzeugklasse nur noch absolut am Rande nachgefragt.
Für den Durchschnittsfahrer, der ein Auto für das tägliche Pendeln zur Arbeit, den Stadtverkehr und Wochenendausflüge benötigt, stellen Turbo-Benziner den idealen Kompromiss dar. Sie verleihen dem Fahrzeug eine problemlose Dynamik und halten gleichzeitig die Kraftstoffkosten im Zaum. Wer ein ruhigeres Tempo vorwiegend abseits der Autobahnen bevorzugt, macht auch mit den zuverlässigen Saugmotor-Varianten nichts falsch, während anspruchsvolleren Fahrern bei Seat der starke 1.5 TSI Vierzylinder hervorragende Dienste leistet. Bei diesem bleibt der Verbrauch trotz einer Leistung von über 100 kW weiterhin exzellent und erreicht im Durchschnitt nur selten die Sechs-Liter-Marke.
Wenn Sie überlegen, ob gerade der Verbrauch das entscheidende Zünglein an der Waage sein sollte, lautet die Antwort eher nein. Obwohl die Motoren des Volkswagen-Konzerns unter der Haube des Seat Ibiza in Langzeitmessungen um ein paar Zehntelliter sparsamer abschneiden als die Motoren im Kia Rio, wird der resultierende finanzielle Unterschied bei den Kraftstoffkosten für die meisten Fahrer pro Jahr absolut vernachlässigbar sein. Ein viel entscheidenderer Faktor beim Kauf sollte der objektive technische Zustand des jeweiligen Fahrzeugs sein, eine lückenlos dokumentierte Servicehistorie und die Frage, ob Ihnen das asiatische oder das spanische Konzept vom gesamten Fahrverhalten her sympathischer ist.