Bei der Bewertung der Sicherheit von Gebrauchtwagen stützen wir uns in der Regel auf die Fünf-Sterne-Bewertungen der Euro NCAP-Labore. Obwohl wir bei den meisten Premiumautos dieser Größe und Preisklasse automatisch mit der maximalen Anzahl an Sternen rechnen, ist es immer entscheidend, den breiteren Kontext und das Testjahr zu kennen. Die Testprotokolle entwickeln sich nämlich ständig weiter und werden strenger – heute umfassen sie beispielsweise eine fortschrittliche Erkennung von Radfahrern, komplexe Szenarien an Kreuzungen und neue Methoden zur Simulation von Frontalaufprallen. Frühere prozentuale Ergebnisse lassen sich daher nicht direkt mit den heutigen strengen Grenzwerten vergleichen. Bei luxuriösen Flaggschiffen wie dem Audi A8 und dem BMW 7er begegnen wir zudem einer Besonderheit: Aufgrund des hohen Anschaffungspreises und der geringeren Verkaufszahlen werden sie von der europäischen Organisation gar nicht erst für Crashtests ausgewählt.
Audi A8: Prädiktiver Schutz an erster Stelle
Da der aktuelle Audi A8 (Generation D5) keine unabhängigen Crashtests durchlaufen hat, kann nicht angegeben werden, nach welchen Protokollen oder in welchem Jahr er zertifiziert worden wäre. Sämtliche prozentualen Daten zum Insassenschutz fehlen daher. Für seine kompromisslose Sicherheit sprechen jedoch die gemeinsam genutzten Technologien, die bei seinen Konzern-Geschwistern regelmäßig Höchstbewertungen erzielen. Ein Fahrzeug aus dem Jahr 2022 verfügt über das fortschrittliche System Audi pre sense 360°. Dieses überwacht die Umgebung permanent mittels Radar und Kameras. Wenn das System einen bevorstehenden Seitenaufprall als unvermeidlich einstuft, kann das prädiktive aktive Luftfahrwerk die gefährdete Karosserieseite innerhalb von Sekundenbruchteilen um bis zu 8 Zentimeter anheben. Die Zerstörungskraft wird so in die extrem feste Unterstruktur der Schweller umgeleitet. Zudem sind ein Mittelairbag, der vor dem Zusammenstoß der Köpfe der vorderen Insassen schützt, sowie ein Nachtsichtassistent an Bord.
BMW 7er: Extreme Steifigkeit durch Kohlefaser
Auch der bayerische Konkurrent in der Ausführung der Jahre 2019–2022 (Generation G11/G12 LCI) wurde von der Organisation Euro NCAP nicht offiziell getestet und bietet daher in den Tabellen keine Bewertungsprozente. Das Fehlen eines Zertifikats bedeutet jedoch keineswegs Abstriche. BMW ging bei dieser Generation den Weg der innovativen Carbon Core-Architektur. In der Konstruktion des Tragerahmens sind Stahl und Aluminium präzise mit kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen kombiniert, was eine außergewöhnliche strukturelle Steifigkeit bei jedem Unfall gewährleistet. Auf exzellentem Niveau ist auch die aktive Prävention, repräsentiert durch das Paket Driving Assistant Professional. Dieses beherrscht nicht nur vollkommen flüssiges teilautonomes Fahren, sondern auch Ausweichmanöver und blitzschnelle automatische Bremsungen, die auf die Erkennung von Fußgängern und Radfahrern kalibriert sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl der Audi A8 als auch der BMW 7er selbst ohne Zertifikate eine umfassendere und modernere Sicherheitsausstattung bieten als kleinere Fahrzeuge, die in unabhängigen Tests mit fünf Sternen ausgezeichnet wurden. Beide Limousinen setzen technologische Trends. Die Wahl in Sicherheitsfragen ist somit mehr oder weniger ein Unentschieden: Während Audi das einzigartige Anheben des Fahrwerks bei einem Seitenaufprall aus dem Ärmel zieht, kontert BMW mit der phänomenalen Steifigkeit des Carbon-Skeletts. Aus Sicht aktueller Standards bieten beide Gebrauchtwagen auf der Straße das absolute Maximum.