Beide dieser beliebten Familienautos erreichten zu ihrer Zeit die prestigeträchtige Höchstwertung von fünf Sternen in den Euro NCAP-Sicherheitstests. Für eine korrekte Beurteilung ihrer Sicherheit ist es jedoch unerlässlich, den breiteren Kontext und vor allem das jeweilige Testjahr zu berücksichtigen. Die Sicherheitsprotokolle der unabhängigen Organisation Euro NCAP entwickeln sich ständig weiter und werden fast jedes Jahr verschärft. Aus diesem Grund lassen sich die prozentualen Ergebnisse aus verschiedenen Jahren nicht direkt vergleichen – neuere Methodiken beinhalten wesentlich anspruchsvollere Simulationen von Frontalaufprallen, strengere Messungen von Halswirbelsäulenverletzungen oder die Erkennung von Radfahrern und Fußgängern an Kreuzungen, die in älteren Bewertungen völlig fehlten.
Citroën Grand C4 SpaceTourer (damals noch unter dem Namen Grand C4 Picasso getestet) absolvierte die Crashtests bereits im Jahr 2013. Obwohl er zu seiner Zeit in Sachen Sicherheit eindeutig glänzte und alle damaligen Kriterien erfüllte, lief seine Sicherheitszertifizierung im Januar 2020 offiziell aus. Dies ist eine gängige Praxis von Euro NCAP bei älteren Fahrzeugen, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie die modernen und deutlich strengeren Standards nicht mehr erfüllen können.
Im Gegensatz dazu durchlief der Renault Grand Scénic die Crashtests im Jahr 2016, also nach wesentlich neueren und anspruchsvolleren Protokollen. Seine Tests berücksichtigten bereits fortgeschrittene Prüfungen von autonomen Notbremssystemen (AEB). Renault sammelte hier wertvolle Punkte, indem es als einer der ersten in seinem Segment eine Fußgängererkennung in Verbindung mit einer Notbremsfunktion bereits in der Serienausstattung anbot.
Die erzielten Prozentsätze spiegeln deutlich die unterschiedliche Anspruchsvolligkeit der beiden Testepochen wider. Citroën profitierte von den relativ wohlwollenden Normen aus dem Jahr 2013, was ihm großzügige 81 % für die Sicherheitsassistenzsysteme einbrachte. Renault hingegen „bezahlte“ für die strengere Methodik von 2016, weshalb es bei den Assistenten nur 59 % erhielt, obwohl seine tatsächliche technologische Ausstattung viel fortschrittlicher ist. Trotz der strengeren Testkriterien erreichte Renault jedoch hervorragende 90 % beim Insassenschutz für Erwachsene und übertraf damit die 86 % der älteren Karosseriestruktur des Citroën. Die Ergebnisse beim Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer entsprechen bei beiden Modellen den damaligen konstruktiven Grenzen von Fahrzeugen der Kategorie MPV, für die eine höhere und steilere Front charakteristisch ist.
Der Gesamtvergleich zeigt deutlich, dass beide Modelle Sie auf der Straße sehr gut schützen, der Renault Grand Scénic jedoch ein moderneres und umfassenderes Sicherheitspaket bietet. Seine Knautschzonen sowie die Assistenzsysteme haben das Sieb anspruchsvollerer Kriterien durchlaufen, das Fahrzeug verfügt über einen fortschrittlicheren aktiven Schutz vor Kollisionen mit Fußgängern und bietet aus Sicht der Homologation im heutigen Verkehr einen spürbar höheren und aktuelleren Sicherheitsstandard.